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Zu alt? Never…jetzt erst recht!

Alt sein bedeutet nicht unfähig zu sein, etwas Neues zu beginnen. Dazu ist man NIE zu alt! Besonders nicht mit knapp 50. Da beginnt erst das zweite Leben. Das nach der Familiengründung und den ersten persönlichen und beruflichen Erfahrungen. Wer jetzt schon an Rente denkt, kann umgehend getrost damit aufhören. Gut, ich sehe ein, dass manche Berufe wirklich nur eine gewisse Zeitspanne ausgeübt werden können. Alle körperlichen Berufe zum Beispiel, die schwer auf die Gelenke gehen, Berufe, die die Psyche belasten, okay, nachvollziehbar. Doch wir können, dürfen und „sollten“ uns mit dem Gedanken anfreunden, dass mit 50, 60 oder auch 70 Jahren immer noch einiges möglich ist. Vielleicht eine ganz andere Richtung, doch es IST möglich. Außerdem: Gibt es in 20 Jahren noch Rente?

Ich erinnere mich an meine Großeltern. Für die hieß es mit 50 noch nicht „Denk an die Rente“! Die hatten noch einige Jahre vor sich und arbeiteten fleißig weiter. Mein Vater, der sein Leben lang hart geschuftet hat, um mit 60 Jahren in eine Anstellung zu gehen und leider dann mit 68 Jahren viel zu früh verstarb. Doch er starb mit einem Lächeln. Und hätte sicher noch bis Mitte 70 weitergearbeitet. Weil es ihm Freude gemacht hat.

Ich erinnere mich an meine Lehrzeit, als plötzlich die 37 Stunden Woche ausgerufen wurde…Halleluja…was für ein Jubel ringsherum, für mich völlig unverständlich. War ich es doch von zu Hause gewohnt, dass rund um die Uhr gearbeitet und trotzdem familiäres Zusammensein gepflegt wurde. Damals befremdete es mich bereits, wie viele meiner Kollegen auf die Uhr schauten, Arbeit nach Plan machten und dem Arbeitgeber alles aufrechneten. Es schien, als wenn niemand so richtig gerne seinen Job machen würde. Heute weiß ich, dass die meisten meiner ehemaligen Kollegen ihre Leidenschaften zu Hause fanden. Im Garten, in der Freizeit, im Reisen und das Arbeiten als Mittel zum Zweck betrachteten. Dies ist keinem vorzuwerfen. Ich finde es nur unendlich schade, da wir doch enorm viel Lebenszeit in unsere Arbeit investieren und beides mit Verantwortung und Freude erleben sollten.

Doch ich komme zurück zu „Etwas Neues beginnen“! Erst jetzt, mit fast 50 Jahren, ist mir bewusstgeworden, was ich will. Ich fühle mich sicherer, reifer, neugieriger und wissbegieriger denn je. Mir ist klargeworden, dass ich das, was ich gut kann, wirklich richtig gut lernen möchte. Ein neues Handwerk sozusagen. Und daran dann wieder etwas anschließe. Vor 30 Jahren wusste ich das noch nicht. Ist es nicht fantastisch, dass wir im Vergleich zu unseren Vorgenerationen die Möglichkeit haben, uns neu zu gestalten und zu entwickeln? Heute habe ich den Spruch wieder einmal gehört: „du bist zu alt dazu“! Ha – never! Jetzt erst recht! Und wenn ich mit 70 Jahren studieren will, dann werde ich das auch noch machen. Psychologie, Politikwissenschaften, Journalismus zum Beispiel? Wenn es aus Friedenssicht dann noch möglich ist. Vielleicht auch früher!

Übrigens Friedenssicht…ich habe immer Menschen bewundert, die die Menschenwürde, Gerechtigkeit und  den Frieden über alles stellten. Meine großen Vorbilder waren und sind  Peter Ustinov, ein fantastischer Philanthrop, Künstler, Schriftsteller, Nelson Mandela, der mit unerschütterlichem Glauben an die Gerechtigkeit und Gleichheit durch sein Leben ging, ebenso wie Mahatma Gandhi oder Buddha. Auch ein Richard Branson, Victor Frankl, Rosa Fischer (meine wundervolle, beeindruckende Nachbarin, die mit 85 Jahren und mit Spitzhacke bewaffnet Betonringe aus meinem Vorgarten schlug und eine würdevolle, gelassene, aufrichtige Dame war, in Kriegszeiten Schlimmes erlebte und trotzdem verzieh) ist meine Bewunderung sicher. Und ganz besonders meiner Mutter: die neun Kindern das Leben schenkte, von denen sechs noch leben, die ein unruhiges und unsicheres Leben führte, kämpfte, ertrug und wie eine Katze dem Tod einige Male von der Schippe sprang und dies immer noch tut. Ich bin bereit, mir meine eigene Meinung zu bilden und habe vorrangig den Frieden und ein wertschätzendes Miteinander im Auge. Mein Großvater mütterlichseits war nicht in der damaligen, vorherrschenden Partei, sondern in einer, die den Namen trug: „Nicht die Köpfe sollen rollen, dass Geld soll rollen“. Niemand hat das Recht, über das Leben anderer zu entscheiden. Punkt. Ach ja – auch wenn er das Gegenteil von Friedensbringer, doch in gewissen Hinsichten auch ein Genie war (immerhin hat er uns den Code Civil beschert) – Napoleon Bonaparte hat mich ebenfalls von jeher fasziniert. Es ist wichtig zu wissen, welche Vorbilder man hat. Das trägt auch zu einer nachhaltigen Friedenssicht bei. Sollten Vorbilder dabei sein wie …(Namen erwähne ich jetzt nicht), dann sollte man sich nicht wundern, wenn das mit Frieden auf Dauer nicht funktioniert.

Nochmal zum Alter! Alter ist schön. Es gibt unterschiedliche Arten des Alterns. Die eine Art ist, neugierig die Augen aufzuhalten, wach zu bleiben und Neues zu erleben. Die andere Art des Alterns ist: Aufgeben! Wer aufgibt, keine Freude mehr daran hat, etwas Neues zu beginnen, vor dem Fernseher versauert, den Massen nachläuft, sich einschüchtern lässt – der ist zur Recht „Alt“. Wir sind alt, wenn wir keine Träume mehr haben, alles nur noch negativ sehen und die Zeit bis zum Abtreten irgendwie überstehen wollen. Wir sind alt, wenn wir uns alt fühlen wollen. Jeder von uns hat eine Aufgabe und einen Platz in seinem Leben. Manchmal finden wir diesen bereits früh, manchmal auch erst sehr spät. Welche Art des Alterns wir wählen, ist natürlich uns überlassen. Wenn ich dann wirklich nicht mehr kann (so mit 95 Jahren…) körperlich, geistig, dann steht der Plan, mit meinen Freundinnen eine WG zu gründen, betreut von einer angenehmen, zuvorkommenden und aufmerksamen Pflegerin und ein Generationenhaus zu gründen. Jung und Alt zusammen. Voneinander profitieren. Schöner Gedanke.

 

 

1 Antwort
  1. Andrea Maclang
    Andrea Maclang says:

    Das kann ich nur dick unterstreichen! Darum haben wir (58 Jahre und 63 Jahre), unser Haus verkauft und sind als „digitale Nomaden“ unterwegs. Die „Weltrentner-Tour“ hat gerade begonnen. Sie führt uns zuerst durch Frankreich um dann in Barcelona zwei Monate zu leben.
    Wer rastet, der rostet… Das wollen wir noch nicht!
    Mein online Business ist ortsunabhängig.

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